Über Nachhaltigkeit in der Sozialwirtschaft

Peter Stepanek, Lehrender aus dem Masterstudium Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit, spricht darüber, wie man als Sozialunternehmen nachhaltiger agiert. Außerdem erzählt er, wie er das Thema Nachhaltigkeit mit dem internationalen Lehrprojekt  "eco3 – Sustainability Management and Green Controlling in the Social Economy" auf Hochschulebene in die Sozialwirtschaft bringen möchte.

Peter Stepanek im Interview

Auf welchen Ebenen kann ein Unternehmen nachhaltig agieren?

Auf der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen Ebene. Es geht dabei allerdings um eine ganzheitliche Betrachtung.

Warum ist das Thema Nachhaltigkeitsmanagement in der Sozialwirtschaft noch so außen vor, sollte dieses Thema nicht gerade dort bereits fix verankert sein?

Da kann ich nur mutmaßen, aber ein Problem ist sicher, dass gerade in der Sozialwirtschaft die finanziellen Mittel oft sehr knapp bemessen sind und es keinen Spielraum für Investitionen gibt, die sich erst nach einigen Jahren rentieren. Auch die Finanzierungslogik über Leistungsverträge und Förderungen lässt oft kaum Strategie- und Organisationsentwicklung zu. Hier gilt es das Wissen zu schärfen, dass Nachhaltigkeit nicht immer teuer sein muss.

Wie kann ein Sozialunternehmen nachhaltig agieren, ohne große Kosten zu generieren?

Das beginnt bei der Müllvermeidung, dem Energie- und Ressourcenverbrauch, der Nutzungsdauer der Geräte oder auch bei der Herkunft der Büromaterialien. Geräte oder Ressourcen können mit anderen Organisationen geteilt werden. Hier kann man nachjustieren, ohne ein großes Budget zu benötigen. Gerade bei Sozialunternehmen ist außerdem die Weitergabe des Nachhaltigkeitsgedankens an die Klient*innen eine effektive Möglichkeit. Auf der sozialen Ebene richtet sich in der Sozialwirtschaft der Blick verstärkt nach innen. Dazu zählen zum Beispiel Gesundheitsförderungsmaßnahmen, flexible Dienstzeiten, aber eventuell auch Sozialarbeit für die eigenen Mitarbeiter*innen. Das muss nicht viel Geld kosten.  

Die Wirtschaft und auch die Sozialwirtschaft müssen sich mit knapper werdenden Ressourcen auseinandersetzen. Es ist höchste Zeit, dass diese Themen auch einen fixen Platz im Studienplan bekommen.
Foto von Peter Stepanek

Peter Stepanek

Lehrender aus dem Masterstudium Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit

Je früher man sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, desto besser – inwiefern spielt dieser Gedanke in Ihrem Beruf eine wichtige Rolle?

Wir bilden an der FH Campus Wien zukünftige Führungskräfte für den Sozialbereich aus. Zum Unternehmens-Management im 21. Jahrhundert gehört es, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Wir wollen und müssen uns aktuellen Themen stellen: schon seit zwei Jahren machen wir das im Rahmen der Spring School mit dem Themenschwerpunkt Postwachstumsökonomie und Sharing Economy. Wir haben auch eine offene  Lehrveranstaltung zu alternativen Wirtschaftskonzepten organisiert und sind damit auf breites Interesse gestoßen. Zudem haben wir mit einem internationalen und von der EU geförderten Projekt, eco3, einen weiteren Schritt gesetzt, um auf das Thema Nachhaltigkeitsmanagement hinzuweisen und Impulse in die Hochschullandschaft zu senden.  Wir wollen die, für die Sozialwirtschaft relevanten, Aspekte der Nachhaltigkeit identifizieren und in Folge ein Lehrmodul mit drei Lehrveranstaltungen entwickeln, das an verschiedenen Hochschulen und in verschiedenen Ländern zum Einsatz kommt. 

Wie werden die Inhalte des geplanten Lehrmoduls aussehen?

Zuerst möchten wir das Thema Nachhaltigkeit aus seinen drei Perspektiven – ökologisch, ökonomisch, sozial – betrachten. Wir analysieren, was bisher von Kolleg*innen schon beforscht und empfohlen wurde und treffen eine Auswahl, die für die Sozialwirtschaft passt. Parallel starten wir mit didaktischen Überlegungen zum Aufbau des Lehrmoduls und verschiedener Unterlagen. Dabei setzen wir auf moderne Lehr- und Lernunterlagen, die auch im Flipped Classroom  zum Einsatz kommen und wir wollen Gamification-Elemente aufgreifen, die aber gleichzeitig praxisnah sind. 

Wie kann man sich die Gamification-Elemente vorstellen?

Es soll ein Planspiel, ein Green Monopoly, erstellt werden, bei dem es darum geht, die abstrakte Ebene zu verlassen und die Komplexität des Managementalltags in Sozialorganisationen in Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen erlebbar zu machen. Hier können die Studierenden verschiedene Rollen in unterschiedlichen Organisationstypen einnehmen und anhand einer Spielanleitung verschiedene Aufgabenstellungen lösen. Zudem wird es ein Online-Tool geben, mit dem die Studierenden verschiedene Szenarien in sozialwirtschaftlichen Unternehmen durchspielen können.

Inwiefern profitiert das Masterstudium Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit von diesem Projekt, abgesehen davon, dass ein neues Lehrmodul entsteht?

Wir glauben, dass wir hiermit einen wichtigen Baustein für die Zukunft gelegt haben. Die Wirtschaft und auch die Sozialwirtschaft müssen sich mit knapper werdenden Ressourcen auseinandersetzen. Es ist höchste Zeit, dass diese Themen auch einen fixen Platz im Studienplan bekommen. Wir sehen das große Interesse bei den Studierenden für diese Themen. Immer mehr Studierenden schreiben ihre Masterarbeiten zu einem dieser Aspekte. Wir wollen unsere Studierenden fit für die wichtigen Zukunftsfragen machen.

Wie wird das Lehrmodul in das Masterstudium eingebettet? 

Wir überarbeiten gerade unser Curriculum. Das Modul soll ein Pflichtmodul werden.

Wie funktioniert der Austausch mit dem Partnerkonsortium, wer hat hier welche Rolle?

Die FH Campus hat bei diesem Projekt den Lead, die anderen Hochschulen haben den Fokus auf die Länderperspektive und bringen dabei ihre Expertise für Sozialwirtschaft und Sozialmanagement ein. Die zwei Unternehmen, die ebenfalls im Partnerkonsortium sind, decken den Bereich der Nachhaltigkeit und der Wirkungsorientierung ab und haben einen speziellen Fokus auf der Praxis. Durch diese vielseitigen Sicht- und Herangehensweisen entsteht ein sehr breitgefächerter Expertisen-Pool, aus dem wir schöpfen und mit dem wir arbeiten können. Wir ergänzen einander mit den jeweiligen Perspektiven.

Zum Abschluss: Wenn Sie drei Dinge in Bezug auf Nachhaltigkeitsmanagement in der Sozialwirtschaft sofort ändern könnten, welche wären das?

  1. Aufbau von nachhaltigen Strategien finanziell fördern und einen finanziellen Bonus seitens der Fördergeber für nachhaltiges Management einführen
  2. Nachhaltigkeit als fixen Bestandteil in Ausschreibungen der Förderstellen integrieren
  3. Eine verpflichtende, transparente Berichterstattung entlang der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit für alle Unternehmen und Organisationen der Sozialwirtschaft einführen

 

 

 

 

 

 

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