Schreiben kinderleicht gemacht

Ein interdisziplinäres Forscher*innen-Team der FH Campus Wien arbeitet an der Entwicklung eines neuartigen drucksensiblen Stiftes. Er soll Kinder mit grafomotorischen Schwächen unterstützen, ihre Schreibbewegungen zu verbessern.

Rund ein Viertel aller Sechs- bis Achtjährigen in Österreich hat Probleme mit dem Schreiberwerb. Vor allem die Kraftdosierung bereitet vielen Kindern Schwierigkeiten. Sie verkrampfen ihre Hände, halten den Stift falsch oder zu fest, sodass ihnen Schreiben und Zeichnen Mühe machen. Weil sie sich so sehr auf ihre Schreibbewegungen konzentrieren müssen, ist es für sie deutlich schwieriger, dem Unterricht zu folgen.

Grafomotorische Probleme sind ein häufiger Grund, warum Kinder im Schreiberwerbsalter zur Ergotherapie gehen.

Franz Werner

Studiengangsleiter Health Assisting Engineering

Für digitale Hilfsmittel in Diagnostik und Therapie braucht es sowohl technisches als auch gesundheitswissenschaftliches Know-how. An der FH Campus Wien sind beide Disziplinen unter einem Dach und können so auf einzigartige Weise verknüpft werden. Franz Franz Werner leitet das Forschungsprojekt „SensoGrip“. An der Schnittstelle Gesundheit und Technik arbeitet er gemeinsam mit Expert*innen und Studierenden aus den Studiengängen Health Assisting Engineering, Ergotherapie, High Tech Manufacturing und Electronic Systems Engineering an einem Stift zur Verbesserung der grafomotorischen Fähigkeiten von Kindern.

Mit Kindern für Kinder

„Wir wollten einen Stift für die Therapiepraxis entwickeln, der den Druck beim Schreiben misst und gleichzeitig durch geeignetes Feedback das Kind motiviert, seine Bewegungen zu verbessern“, sagt Franz Werner. Wie das idealerweise funktionieren könnte, wurde in den ersten sechs Monaten der Projektlaufzeit partizipativ erarbeitet: gemeinsam mit Kindern, Ergotherapeut*innen und Lehrer*innen, die in Workshops und Fokusgruppen aktiv in die Forschungsarbeit einbezogen wurden.


Die Phase der Bedarfserhebung konnte – trotz Ausbruch der Corona-Pandemie und Lockdown im ersten Halbjahr 2020 erfolgreich abgeschlossen werden: „Seither wissen wir, was der Stift können soll. Wie das umgesetzt werden kann, daran arbeiten seither die Kolleg*innen in den technischen Studiengängen mit großem Erfolg“, so Werner.

Handfeste Ergebnisse

So ist es bereits gelungen, den Stift möglichst weitgehend zu miniaturisieren und alle zentralen Features zu implementieren. Trotz komplexer Mechanik und integrierter elektronischer Messvorrichtung wird der Stift nicht wesentlich größer oder klobiger als ein „normaler“ Druckbleistift. Das Feedback wurde optisch und farblich umgesetzt. Aktuell wird an einer Live-Darstellung der Messdaten gearbeitet.
Auf jeden Fall ist es Ziel des Projektes, einen Prototyp für einen neuen drucksensiblen Stift zu entwickeln, der alle wesentlichen Voraussetzungen für die Zulassung als Medizinprodukt erfüllt und rasch als Serienprodukt umgesetzt werden kann. Einen fixen Unternehmenspartner gibt es derzeit noch nicht, doch erste Gespräche mit möglichen Interessent*innen werden bereits geführt.

Das Projekt „SensoGrip“ läuft noch bis 31. Dezember 2021. Gefördert wird es von der Stadt Wien, MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik.


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