„Wir müssen nicht immer alles abreißen und neu bauen“

Wir haben mit Markus Vill, Leiter des Kompetenzzentrums für Bauen und Gestalten, darüber gesprochen, welche Rolle Nachhaltigkeit bei der Gestaltung von Bauwerken spielt.

Was genau heißt Nachhaltigkeit im Baubereich?

Da gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen. Für die einen ist Nachhaltigkeit Energieeffizienz, für die anderen „viel Technik“ und Steuerungssysteme, die die Nutzung eines Gebäudes möglichst optimieren. Für mich heißt nachhaltig Bauen, dass wir Werte schaffen, die wir und auch unsere Kinder und Kindeskinder noch verwenden können, ohne „Altlasten“ zu hinterlassen.

Was sind diese „Werte“?

Bauwerke, die nicht nur für eine temporäre oder kurze Nutzung errichtet werden. Das betrifft die verwendeten Baumaterialien, aber auch Technik und Einrichtungen wie Steuerungssysteme, die über den Lebenszyklus eines Gebäudes funktionieren müssen. Bauwerke sollten so gebaut werden, dass ihre Grundstruktur erhalten bleiben kann, sie aber im Laufe ihres Lebenszyklus in Teilen adaptiert, repariert und modernisiert werden können. Wir müssen nicht immer alles abreißen und neu bauen. Grundstruktur und tragende Bauteile haben meist das Potenzial für eine lange Lebensdauer.

Das klingt alles sehr vielversprechend. Ist es aber in der Realität nicht vielmehr so, dass bei der Errichtung von Gebäuden an eine Nutzung über mehrere Generationen, sagen wir es mal vorsichtig, kaum gedacht wird?

Das stimmt, da gibt es sicher noch eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Das hängt zum einen mit Kosten zusammen: Ein modulares System, wie ich es skizziert habe, kommt in der Errichtung sicher teurer. Zum anderen hat es auch damit zu tun, dass unter Nachhaltigkeit derzeit überwiegend Energieeffizienz oder andere Kennzahlen verstanden werden.

 

Was ist schlecht an Energieeffizienz?

Nichts. Energiekennzahlen sind wichtig. Man muss sich nur dessen bewusst sein, dass es in der praktischen Umsetzung komplex werden kann: in Bezug auf Kosten, Ressourcen, Bedienung der Systeme etc. Je komplexer wir bauen, umso mehr Probleme können über den Lebenszyklus eines Bauwerkes auftreten.

Dann plädieren Sie für einfachere Gebäude, sozusagen „back to the roots“?

Es gibt bereits erste Tendenzen in diese Richtung. Stichwort: Manchmal ist weniger mehr! Ich denke, es braucht hier eine gute Mischung, in der einfachere Lösungen durchaus auch zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können. Wir müssen darüber nachdenken, wie viel Steuerungstechnik bei Bauwerken wirklich notwendig ist und wie effizient sie von den Nutzerinnen und Nutzern angenommen wird.
Welche Rolle spielt Interdisziplinarität, wenn es um nachhaltiges Bauen geht?
Interdisziplinarität spielt eine irrsinnig wichtige Rolle. Ich als Bauingenieur kann Ihnen z.B. sagen, wie lange ein bestimmter Baustoff hält, wie lange man ihn einsetzen kann. Alles darüber hinaus erfordert aber die Expertise von Stadtplaner*innen, Architekt*innen, Gebäudetechnik-, IT-Spezialist*innen und vielen anderen. Da ist extrem viel Interdisziplinarität gefordert.

Wie interdisziplinär forscht das Department Bauen und Gestalten an der FH?

Vor allem im Forschungsfeld Active Assisted Living sind wir sehr interdisziplinär unterwegs. Da arbeiten wir mit den Kolleginnen und Kollegen aus Gesundheit, Soziales und Technik eng zusammen und forschen gemeinsam an Produkten und Systemen, die Menschen mit Einschränkungen in ihrem Alltag unterstützen.


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