Die Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb, der jährlich in mehreren verschiedenen Ländern veranstaltet wird. Teams von Studierenden aus der ganzen Welt mit selbst konstruierten und gefertigten Rennwagen treten gegeneinander an. Dabei geht es darum, binnen eines Jahres ein wettbewerbsfähiges Rennauto nach einem vorgegebenen Reglement zu planen, zu konstruieren und zu bauen. Eines von vier österreichischen Rennteams stellt die FH Campus Wien.

500 m² in Form von Büroflächen und der hauseigenen Smart Factory stehen Studierenden der FH Campus Wien zum Experimentieren, Ausprobieren, Herstellen von Prototypen – kurz, um Ideen zu verwirklichen – im Start-up Corner am zusätzlichen Standort der FH am High Tech Campus Vienna, in Wien Favoriten, zur Verfügung. Neben Robotern, Drehbänken, Fräsmaschinen, Schweißgeräten und mehreren 3D-Druckern befindet sich auch eine Lasersinteranlage für Kunststoffe am Standort. Ausgewählte, potenzielle Start-ups können, nach einem Hearing vor einer hochkarätig besetzten Jury, die Räumlichkeiten für die Dauer eines Jahres kostenlos nutzen. Der Start-up Corner steht allen Studiengängen der FH Campus Wien offen.

Mit dem 2016 gegründeten Start-up Service leistet die FH Campus Wien einen wichtigen Beitrag, um die Innovationskraft in Österreich nachhaltig zu sichern und unterstützt so gleichzeitig Studierende und Absolvent*innen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
Bild von Heimo Sandtner

Heimo Sandtner

Initiator des Start-up Corners und des OS.Car Racing Teams, Vizerektor für Forschung und Entwicklung

Auch das OS.Car Racing Team ist seit 2017 im Start-up Corner beheimatet. Die Teammitglieder nutzen die große Werkstatt, um Rennautos zu konstruieren, mit denen sie jedes Jahr an der Formula Student teilnehmen. Bei diesem internationalen Konstruktionswettbewerb, der in mehreren verschiedenen Ländern veranstaltet wird, treten Teams von Studierenden aus der ganzen Welt mit selbst konstruierten und gefertigten Rennwagen gegeneinander an. Ziel dabei ist es, binnen eines Jahres ein wettbewerbsfähiges Rennauto nach einem vorgegebenen Reglement zu planen, zu konstruieren und zu bauen. Das OS.Car Racing Team ist dabei eines von vier österreichischen Rennteams.

Der erste Funke

Die Idee dazu lieferte Heimo Sandtner, Vizerektor für Forschung und Entwicklung und Studiengangsleiter High Tech Manufacturing  im Jahr 2012: Die FH Campus Wien sollte sich mit einem eigenen Rennteam am internationalen Wettbewerb Formula Student beteiligen. Für das erste Antreten peilte er die österreichische „Heimstrecke“ an, den Red Bull Ring im steirischen Spielberg. In seinem Bachelorstudiengang High Tech Manufacturing stieß Heimo Sandtner auf offene Ohren, das Gründungsteam um Teamkapitän Michael Sippl und seine Mitstreiter Victor Klamert sowie Florian Kronberger war bald formiert. Nun galt es, weitere Studierende für dieses Projekt zu begeistern, um rasch das Konzept für einen Rennwagen zu entwickeln, geeignete Unterstützer*innen, Sponsor*innen und Fertiger zu finden.

Kräftiges Lebenszeichen des „Erstgeborenen“ CR-113

Das erste Auto CR-113 war zwei Jahre in Entwicklung, bis die Premiere des OS.Car Racing Teams  schließlich bei der Formula Student Austria 2014 in Spielberg gefeiert werden konnte. Wegen des hohen Gewichts von 295 kg und der noch relativ geringen Motorleistung war dieser Wagen allerdings noch nicht wirklich konkurrenzfähig. Freud und Leid liegen im Sport bekanntlich nah beieinander, und so kam es im Endurance-Bewerb im strömenden Regen zu einem Elektronikschaden, der das vorzeitige Ende besiegelte. Dennoch brachte das Team seine erste Trophäe mit nach Hause: den Special Award für den besten Sound – oder anders ausgedrückt: für das lauteste Auto des Bewerbs. Denn der Noise-Test ergab einen Schalldruck von 133 dB. CR-113 war also lauter als ein startender Düsenjet.

Achtung, CR-115 MAKO greift an!

Der Lernprozess war angestoßen, das Team professionalisierte sich und dank der Erfahrungen aus dem ersten Antreten konnten die Studierenden ihr nächstes Auto grundlegend verbessern. Im Jahr 2015 stand unter der Leitung von Harald Frey mit CR-115 MAKO ein rundum überarbeitetes Fahrzeug am Start in Spielberg. Im Vergleich zum Vorgängermodell wies es zahlreiche Weiterentwicklungen auf: Der Rennbolide lief nicht nur zuverlässiger, sondern aufgrund der erstmals eingebauten Launch Control auch schneller. Zusätzlich verringerten die Studierenden das Gewicht des Vehikels um 25 kg und schraubten die PS-Zahl hoch. Verkleidet wurde das Gefährt mit einer Haut aus Kohlefasermaterial. Sogar beim Endurance-Bewerb, bei dem das gesamte Fahrzeug unter enormer Belastung steht, erzielte das Team ein besseres Ergebnis als im Jahr zuvor. Nur rund 50 % der gestarteten Fahrzeuge schafften es bei diesem Bewerb, alle 22 Runden ohne Gebrechen zu meistern. Der Lohn der Mühen: ein erfolgreicher 19. Platz für das noch junge Rennteam und damit wertvolle Punkte für die Weltrangliste.

Jedes Jahr ein Rennauto

Mit CR-115 MAKO war eine Entwicklung in Gang gekommen, die nicht mehr aufzuhalten war. Seit 2015 entsteht jährlich ein Rennauto der Marke Eigenbau. Ob Radaufhängung, Rahmen, Antriebsstrang, Motor, Elektronik oder Kalkulation und Kostenrechnung – das Know-how für die Konstruktion und Fertigung des Autos kommt zur Gänze von mittlerweile mehr als 50 Studierenden aus den verschiedensten technischen Studiengängen mit Unterstützung der FH-internen Faculty Advisors, allen voran Heimo Sandtner, sowie zahlreicher, bereits langjähriger Sponsor*innen. Das jährliche Rollout, die Präsentation des Autos für die jeweils neue Rennsaison im Festsaal der FH Campus Wien, ist mittlerweile ein Fixtermin für rund 400 Gäste, darunter Rennsportlegenden, stolze Familien, Freund*innen und Unterstützer*innen des OS.Car Racing Teams.

Zum Konfetti - der Geldregen

Untrennbar mit dem jährlichen Rollout verbunden ist das „Axalta-Stipendium“. Axalta Coating Systems, langjähriger Kooperationspartner der Hochschule und Unterstützer des Rennteams, verleiht jährlich ein Stipendium an eineN besonders engagierteN Student*in aus dem Kreis des OS.Car Racing Teams und dem Bachelorstudiengang High Tech Manufacturing.

Stationen im Rennzirkus: Österreich – Ungarn – Italien – Deutschland – Niederlande

Nach den ersten Rennen in Spielberg weitete das Team seinen Aktionsradius aus und qualifizierte sich in den folgenden Jahren für Bewerbe außerhalb Österreichs. Im Jahr 2016 stand mit CR-116 EVO ein Auto des FH-Teams am Start der Formula Student Hungary in Györ. 2017 begingen die Studierenden mit ihrem „geflügelten Drachen“ CR-117 SCATHA die Italien-Premiere in Varano de‘ Melegari. Der Hockenheimring stand mit CR-118 Johnny 2018 am Programm und 2019 drehte Racy McRaceface in den Niederlanden, in Assen, und bei der Formula Student East im ungarischen Zalaegerszeg seine Runden.

CR-119 Racy McRaceface  

Mit dem „Einstiegsmodell“ CR-113 hat das Auto der Saison 2019 nicht mehr allzu viel gemeinsam, denn vieles optimierten die Studierenden, so etwa das Gewicht des Rahmens, die Fahrwerksgeometrie mit Karbonfaser-Querlenkern, die verbrauchs­abhängige Benzinpumpensteuerung, die Aerodynamik und das umfangreiche Sensorik- und Telemetriepaket. Der Treibstofftank ist wie die strömungsoptimierte Airbox eine Eigenentwicklung, lasergesintert im 3D-Druckverfahren, die Abgasanlage wurde ebenfalls eigens aus Edelstahl konzipiert und umgesetzt.

2019: Top-Platzierungen, Staffelübergabe und neuer Platinsponsor    

So viel Weiterentwicklung macht sich bezahlt: In Spielberg konnte das Racing Team tolle Plätze „einfahren“: den 10. Platz mit 83,6 von möglichen 100 Punkten beim Bewerb zum Cost Report, den 6. Platz bei der Efficiency-Wertung (Spritverbrauch) und den 10. Platz bei der äußerst schwierigen Endurance-Wertung, einer Ausdauerwertung über eine Distanz von 22 Kilometern. Spielberg war zugleich der Abschiedsbewerb für Teamkapitänin und High Tech Manufacturing-Absolventin Natalie Gemovic, die als erste Frau an der Spitze eines österreichischen Formula Student-Teams stand und dieses über zwei Saisonen erfolgreich führte. 2019 übernahm Patrick Klarer, Absolvent des Bachelorstudiums High Tech Manufacturing und aktuell Student im Masterstudium Green Mobility, die Leitung des Rennteams. Auch er wird weiterhin auf die großzügige Unterstützung der Robert Bosch AG zählen können. Seit der Saison 2019 ist Bosch neuer Platinsponsor des OS.Car Racing Teams. Das Unternehmen leistet einen signifikanten finanziellen Beitrag zur Weiterentwicklung des OS.Car Racing Teams und stellt auch fachliche Expertise zur Verfügung.

2020: Erzwungener Stillstand durch Corona

Corona zwang das OS.Car Racing Team in der Saison 2020 erstmals dazu, einige Gänge zurück zu schalten. Das für Mai geplante Rollout musste leider ausfallen, zumal auch alle Bewerbe abgesagt wurden. Dennoch laufen, soweit es diverse Einschränkungen zulassen, bereits Vorbereitungen für Aktivitäten im Herbst 2020.

CR-115 MAKO unter Strom

Das Auto mit dem charakteristischen Haifischmaul verabschiedet sich vom Benzineinspritzmotor und wandelt sich zum E-Auto. Vorrangig geht es darum, erste Erfahrungen mit einem elektrischen Antriebsstrang zu sammeln. Ziel ist es, eine Lern- und Testplattform für ein elektrisch betriebenes Formula Student-Auto zu entwickeln, die später auch als Versuchsplattform für autonomes Fahren dienen soll. Die Entwicklung steht noch am Start, aber vermutlich nicht mehr lange. Denn das OS.Car Racing Team ist nicht zu bremsen.

Jedes Jahr ein Rennauto zu bauen, verlangt mehr als nur technisches Know-how: Dazu sind gute Selbstorganisation, außergewöhnliches Engagement, klare Konzentration aufs Ziel, Freude am Entwickeln und absolute Teamfähigkeit nötig. Genau das zeichnet unsere Absolvent*innen aus.
Bild von Heimo Sandtner

Heimo Sandtner

Studiengangsleiter High Tech Manufacturing und Initiator des Start-up Corners und des OS.Car Racing Teams, Vizerektor für Forschung und Entwicklung

 

Was ist die Formula Student?
> Größter internationaler Motorsportwettbewerb für Studierende
> Weltweit nehmen etwa 600 Teams mit Verbrennungsmotor und 170 Teams mit Elektromotor teil.
> Ziel: Einen funktionsfähigen Rennwagen innerhalb eines Jahres zu designen, zu konstruieren, zu berechnen und zu bauen

Herausforderung: Das vorgegebene und sehr umfangreiche Reglement einzuhalten, ist Voraussetzung, um bei der Rennveranstaltung an den Start zu gehen. Das Auto muss unter anderem sehr gute Fahreigenschaften bei geringen Fertigungskosten aufweisen.

E-MAKO in der Innenschau
2 s von 0 auf 50 km/h
6,4 kWh Lithium-Ionen-Batterie
34 KW Leistung aus zwei E-Motoren an der Hinterachse
Maximale Stromentnahme aus der Batterie: 1200 A
Zielgewicht <350 kg


Pflegeroboter James in Vordergrund im Hintergrund eine verschwommene Person

Menschen

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Frauen in technischen Studiengängen und Berufen sind immer noch unterrepräsentiert. An der FH Campus Wien arbeiten Ulrike Alker und Andreas Posch mit ihren Teams gemeinsam daran, Barrieren aufzubrechen und Frauen zu fördern, um der Chancengleichheit endlich ein Stück näher zu kommen.

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Schweißsimulation für die digitale Zukunft

Schweißen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die viel Übung braucht. In der Ausbildung und zu Trainingszwecken werden deshalb immer häufiger Schweißsimulatoren eingesetzt.