Global vernetzt Ressourcenverbrauch steuern

Seit mehr als sechs Jahren lehrt und forscht Silvia Apprich an der FH Campus Wien. Sie hat das Bachelorstudium Verpackungstechnologie mitaufgebaut, war maßgeblich an der Konzeption und der Akkreditierung des englischsprachigen Masterstudiums Packaging Technology and Sustainability beteiligt und leitet zu diesen beiden nun auch den Bachelorstudiengang Nachhaltiges Ressourcenmanagement.

Interview mit Silvia Apprich

Nachhaltigkeit, wie definieren Sie diesen Begriff?

Hier ist mir wichtig, dass nicht nur die ökologische, sondern auch die ökonomische und soziale Dimension mitbetrachtet werden. Der Ressourcenverbrauch muss so gesteuert werden, dass die Deckung der Bedürfnisse auch für nachfolgende Generationen sichergestellt ist.

Sie sind promovierte Lebensmittel- und Biotechnologin, welche Lebensmittel sind vorbildlich verpackt, welche haben dringenden Aufholbedarf?

Die Produktion von Lebensmitteln ist sehr energie- und ressourcenintensiv. Der Produktschutz muss bei Verpackungen klar an erster Stelle stehen, um einer Verschwendung von Ressourcen entgegenzuwirken. Eine Reduktion an Verpackung fällt in vielen Fällen schwer, denn verminderter Schutz fördert Produktschäden. Gute Verpackungsbeispiele sind für mich Getränkeverbundkartons, etwa für Milch. Produkte, die ich anders verpacken würde, sind hauptsächlich im Pralinenbereich zu finden.

Gemeinsam mit der FH Burgenland und der FH Wiener Neustadt bieten Sie ein Curriculum zum Thema Kreislaufwirtschaft an, das letztes Jahr beim Österreichischen Sustainability Award mit Platz drei ausgezeichnet wurde, worum geht es dabei?

Ziel dieser Lehrveranstaltung ist die Stärkung und Förderung von fachlichen, methodischen und sozialen Nachhaltigkeitskompetenzen, insbesondere hinsichtlich der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Dazu arbeiten Studierende aus unterschiedlichen Studienrichtungen und Fachhochschulen gemeinsam in einem interdisziplinären Team an Fragestellungen, die direkt aus der Industrie kommen. Im letzten Jahr ging es beispielsweise um eine kreislauffähige To-go-Verpackung.

Auch mit dem von der Stadt Wien – MA 23 geförderten Internationalisierungsprojekt Packaging Technology goes International haben Sie neue Lehrstandards vor allem im Bachelorstudium Verpackungstechnologie eingeführt, welche?

Ein Ziel von PAINT war es, Studierende in allen technischen Lehrveranstaltungen mit englischsprachigen Unterlagen von Beginn an mit den wichtigsten Fachtermini vertraut zu machen. Da der Bachelorstudiengang Verpackungstechnologie berufsbegleitend angeboten wird und die Studierenden nur schwer ein Auslandssemester durchführen können, war es uns wichtig, den Erwerb internationaler und interkultureller Kompetenzen an der Heimuniversität zu ermöglichen. Dies ist durch die Einführung von CIOL (Collaborative Online International Learning)-Aktivitäten gelungen. Zeitgleich haben wir unser Partnernetzwerk in Europa und den USA ausgebaut, fünf Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet und viele weitere vorbereitet.

Warum ist Internationalisierung im Verpackungsbereich so essenziell?

Erstens sind fast alle größeren Unternehmen im Verpackungsbereich international tätig. Zweitens sind die großen Herausforderungen wie die Umsetzung des Kreislaufwirtschaftspakets nur in einem globalen Kontext zu bewältigen. Drittens werden Verpackungen vielleicht bei uns entwickelt und produziert, aber in vielen Fällen in anderen Teilen der Welt weiterverarbeitet, verwendet und konsumiert.

Neu übernommen haben Sie die Leitung des Studiengangs Nachhaltiges Ressourcenmanagement, dieser verbindet Naturwissenschaft, Ökologie und Ökonomie, welche Sichtweise fördern Sie damit?

Absolventinnen und Absolventen dieses Bachelorstudiengangs sind Generalistinnen und Generalisten, die den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Prozessen betrachten und die in der Lage sind, ökologische mit ökonomischen Anforderungen in einem Unternehmen zu verknüpfen. Sie verfügen über fundierte technisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse und auch über wirtschaftliche und rechtliche. Diese sind notwendig, weil ökologische Innovationen auch wirtschaftlich konkurrenzfähig sein müssen und der ständig strenger werdenden Umweltgesetzgebung entsprechen müssen.

Welche beruflichen Herausforderungen stehen in der Verpackungsbranche künftig an erster Stelle?

Die Forderungen des Kreislaufwirtschaftspaketes der EU und die darin enthaltenen Quoten stellen hohe Anforderungen an die Zirkularität von Ressourcen. Hier findet ein Umdenken statt, das große Auswirkungen auf das Verpackungsdesign hat. Es muss uns gelingen, die Klimaauswirkungen von Produkt-Verpackungssystemen zu minimieren und trotzdem die eigentliche Funktion von Verpackungen zu erhalten, nämlich den Schutz des Füllgutes. Ich denke, dass wir hier einerseits durch die Ausbildung von Verpackungsexpert*innen und Ressourcenmanger*innen und andererseits durch unsere Forschung einen maßgeblichen Beitrag zu den Zielen des Kreislaufwirtschaftspaketes liefern können.


Das neue Gebäude am Hauptstandort ist abgebildet

Campus Life

Ein Haus geballten Wissens

Was haben Molecular Biotechnology, Verpackungs- und Ressourcenmanagement, Bioengineering und Angewandte Pflegewissenschaft gemeinsam? Rund 20.800 m2. Im neu errichteten Gebäude eignen sich die Studierenden Wissen an - für die Gesellschaft, Wirtschaft, Industrie und Spitzenforschung.

DNA-Strang

Gesellschaft

Molekulare Biotechnologie für die Zukunft der Medizin

Die Covid-19-Pandemie zeigt deutlich, was ein Virus auf der Welt auszulösen imstande ist und welcher Komplexität sich Expert*innen dadurch gegenübersehen. Bei der Bekämpfung der Pandemie ist das Know-how mehrerer Disziplinen notwendig, eine davon ist die Molekulare Biotechnologie.