Nachhaltigkeit: gemeinsam handeln – jetzt!

Wie das Bündnis Nachhaltige Hochschulen Impulse zur Erreichung der SDGs setzt.

Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Ressourcenknappheit und noch einiges mehr – die Liste der globalen Herausforderungen ist lang. Das Bündnis Nachhaltige Hochschulen möchte aktiv Nachhaltigkeit fördern und Bewusstseinsbildung vorantreiben, um so die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Auf Initiative der FH Campus Wien haben sich 12 österreichische Fachhochschulen im Oktober 2021 zum Bündnis Nachhaltige Hochschulen zusammengeschlossen. Elisabeth Steiner, Obfrau des Vereins, und Departmentleiterin Soziales sowie Andreas Petz, Studiengangsleiter Green Mobility, zu konkreten Zielen und Plänen.

Datum: 16.12.2021

Neunmalklug 18

Nachhaltigkeit: gemeinsam handeln – jetzt!

Lisa Baumgartner
Danke fürs Dabeisein, Lisa Baumgartner für Sie. Lassen Sie uns jetzt in der letzten Folge von neunmalklug im Jahr 2021 einen Blick in die Zukunft werfen. Was erwartet uns? Auswirkungen von Klimawandel, Verlust von Biodiversität, Ressourcenknappheit? Ja, wir können und wir müssen dagegen etwas tun. Die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele, der SDGs, aktiv unterstützen. Das hat sich das Bündnis Nachhaltige Hochschulen vorgenommen. Dazu haben sich auf Initiative der FH Campus Wien 12 österreichische Fachhochschulen zusammengeschlossen. Am Entstehen dieses Vereins haben meine Gäste mitgewirkt. Hallo, Elisabeth Steiner und Andreas Petz. Elisabeth Steiner, Sie sind Departmentleiterin Soziales und Andreas Petz, Sie leiten den Studiengang Green Mobility bei uns an der FH Campus Wien. Gemeinsam vertreten Sie unsere Fachhochschule im Bündnis Nachhaltige Hochschulen. Elisabeth Steiner, wenn wir jetzt über Nachhaltigkeit sprechen, seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema und welche Gedanken bewegen Sie dabei am meisten?

Elisabeth Steiner
Prinzipiell. Als jemand, der aus der Sozialarbeit kommt, beschäftige ich mich schon sehr lange mit sozialer Nachhaltigkeit. Aber es war mir früher noch nicht bewusst. Es ist natürlich jetzt auch eine Entwicklung. Man widmet sich dem Thema immer mehr. Aber wenn man Armut bekämpft, sich auf Abschaffung von Ungleichheiten fokussiert in der Sozialen Arbeit, dann ist das im Prinzip soziale Nachhaltigkeit. Übrigens, eine der drei Säulen, die oft vergessen wird, weil meistens spricht man von ökologischer Nachhaltigkeit. Und da möchte ich schon noch anmerken, dass mir das persönlich jetzt unabhängig von meiner Profession auch als Haltung sehr wichtig ist, als Person, mich nachhaltig zu verhalten, sozusagen.

Lisa Baumgartner
Andreas Petz, warum müssen gerade Fachhochschulen auch für das Thema Nachhaltigkeit aktiv werden? Welchen Hebel haben die FHs?

Andreas Petz
Wir haben als Hochschule natürlich hier auch eine gesellschaftliche Rolle und Verantwortung, die wir tragen. Wir können zum Beispiel die Nachhaltigkeitsthemen in unseren Studienprogrammen integrieren. Wir haben ja hier an der FH Campus Wien auch spezielle Studiengänge, die in den Themen unterwegs sind. Wir können interdisziplinär forschen zu dem Thema, gerade hier an der FH Campus Wien, wo wir die Interdisziplinarität auch sehr großschreiben, intern. Und zum anderen haben wir natürlich institutionelle Vorbildfunktion für diese Gesellschaft. Wo soll denn dieses Thema Nachhaltigkeit an die nächste Generation vermittelt werden, wenn nicht hier an den Hochschulen? Wir haben sehr viele Studierende. Wir haben hier einen Auftrag, sozusagen auch dieses Thema in Wissenstransfer, in den Forschungstransfer hier einfach weiterzuführen, weiterzugeben. Das ist ein gesellschaftlicher Auftrag, den wir natürlich hier nachkommen und im größeren Rahmen ja auch in diesem Bündnis Nachhaltige Hochschulen.

Lisa Baumgartner
Zwölf Hochschulen haben sich zusammengetan. Welche konkret sind das? Und hat es eigentlich schnell Konsens gegeben, wohin die gemeinsame Reise hingeht?

Elisabeth Steiner
Also, inhaltlich waren wir uns relativ rasch einig, wo die Reise hingeht. Zum Thema Nachhaltigkeit sich zu committen und zu einzelnen Bereichen das zu entwickeln, das hat sehr gut funktioniert. Es hat dann doch einen Abstimmungsbedarf gegeben, wie wir uns organisieren. Aber das ist auch gut ausgegangen. Ich darf einmal die ganzen Mitglieder auch aufzählen, damit wir sie auch beisammenhaben. Das ist die FH Burgenland, FH des BFI Wien, FH Campus 02, IMC Fachhochschule Krems, FH St. Pölten, FH Oberösterreich, FH Joanneum, FH Kufstein Tirol, MCI Management Center Innsbruck, FH Vorarlberg, FH Kärnten und natürlich die FH Campus Wien. 12 sind dabei und die 13te steht sozusagen schon vor der Tür. Das darf man auch sagen.

Lisa Baumgartner
Dürfen wir verraten, wer das sein wird?

Elisabeth Steiner
FH Technikum Wien.

Lisa Baumgartner
Welche gemeinsame Zielsetzung verfolgt ihr denn jetzt?

Elisabeth Steiner
Prinzipiell haben wir jetzt so vier große Themen, zu denen wir uns committed haben. Wir wollen natürlich Kooperation und Austausch pflegen, weil wir denken, dass dieser Erfahrungs- und Kompetenzaustausch ganz ein wichtiger ist. Wir wollen eben diese strategischen Partnerschaften gezielt fördern. Was wir auch als großen Benefit sehen, dass wir gemeinsam in diesem Bündnis Synergien nutzen können. Das kann in vielen Bereichen sein, bis hin auf die Ebene, dass man sagt, man nutzt Ressourcen von Forschungsinfrastruktur zum Beispiel. Dann, was uns auch ein ganz wichtiges Anliegen ist, was der Kollege auch schon erwähnt hat, ist diese gemeinsame Positionierung und dieses Sichtbarwerden zu dem Thema nach außen, also die Fachhochschulen, die sich committen: Wir stehen für Nachhaltigkeit und sind in diesem Bereich auch aktiv. Also, wir wollen das natürlich auch auf der Ebene betreiben, dass wir gegenüber Fördergeber*innen auftreten, um auch Forschungsprojekt oder Bildungsprojekte sozusagen an Land zu ziehen, um das Thema zu bearbeiten. Ja, und wollen natürlich auch längerfristig, das muss man hier auch gleich anmerken, nicht nur im europäischen Bereich, nicht nur im österreichischen und europäischen Bereich bleiben. Ich denke mir, das sind jetzt schon sehr hohe Ziele. Was uns auch noch als vierte wichtige Grunddimension sozusagen, zu der wir uns committed haben - was wir ansehen, ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Nachhaltigkeit auch in der eigenen Institution. Was können wir in unserer Institution, in unsere Fachhochschule ändern, damit wir uns nachhaltiger verhalten? Das ist an und für sich ganz wesentlicher Punkt, dass wir auch konkrete Maßnahmen in der Institution setzen.

Lisa Baumgartner
Als Wirkungsbereich haben Sie festgelegt: Lehre und Forschung, Hochschulmanagement und Kooperationen. Sie haben sicherlich zu jedem Bereich Vorstellungen, was Sie damit auslösen wollen. Starten wir mal mit der Lehre.

Andreas Petz
Wir haben natürlich von diesen vier Wirkungsbereich, die wir hier definiert haben, natürlich ganz stark die Lehre gesehen. Das ist eigentlich der Hauptpunkt, dem sich eine Hochschule widmen sollte. Und wir wollen in der Lehre verbreitet und gemeinsam die Nachhaltigkeit platzieren. Das passiert in vielen Fällen an anderen Hochschulen, so wie bei uns, auch schon in Studiengänge, die sich den Themen widmen. Aber das ist uns eigentlich nicht genug. Wir wollen dieses Thema der Nachhaltigkeit in allen Studienprogrammen, in allen Studiengängen an den Fachhochschulen implementieren.

Lisa Baumgartner
Welche gibt es denn schon? Welche Bereiche, wo wir uns ohnehin mit diesem Thema schon an der FH Campus Wien auseinandersetzen?

Andreas Petz
Wir haben beispielsweise einen Studiengang im Bereich Verpackungstechnologie. Wir haben den Studiengang Green Mobility. Das ist mein Studiengang, der sich mit der Elektromobilität auseinandersetzt. Wir haben das Hauptaugenmerk auf nachhaltiges Bauen in Architektur - Green Building. Wir haben Nachhaltiges Ressourcenmanagement als Studiengang. Und das sind nur Studiengänge, die bei uns hier stattfinden. Auch die Bündnispartner und vielleicht Hochschulen, die noch nicht in dem Bündnis mit dabei sind, haben natürlich auch Studiengänge im Bereich der Nachhaltigkeit. Das heißt, das Thema Nachhaltigkeit an und für sich ist schon in sehr vielen Studiengängen implementiert. Aber darüber hinaus wollen wir schauen, dass auch Studiengänge, die jetzt per se nicht so mit dem Thema Nachhaltigkeit verwachsen sind, auch dort Nachhaltigkeitsthemen platziert werden. Das könnte zum Beispiel sein, eine eigene Vortragsreihe über die SDGs, dass man sagt, alle Studierenden müssen oder sollten im Laufe ihres Studiums dieses Konstrukt der SDGs kennengelernt haben. Also das wäre sein ein erster Punkt, den wir wahrscheinlich gemeinsam im Bündnis angehen wollen. Und hier können wir auch einen gewisse Standard setzen. Es muss nicht jeder alles neu erfinden, sondern man setzt sich zusammen, bildet einen Standard. Und den können wir über dieses Bündnis, über die Hochschulen in Österreich auch ausrollen.

Lisa Baumgartner
Green Mobility, Sie sind ja der Studiengangsleiter. Können Sie mir kurz sagen, was verstehe ich denn eigentlich mit der Green Mobility? Was lernen Studierende in Ihrem Studiengang?

Andreas Petz
Green Mobility ist Elektromobilität, inhaltlich Elektromobilität im Individualverkehr, beschäftigt sich ganzheitlich mit dem Thema der Elektromobilität, also nicht nur das Fahrzeug. Die Elektromobilität ist in Rahmenbedingungen eingebettet wirtschaftlich, rechtlich. Elektromobilität kann man nicht für sich alleine denken. Es reicht nicht, hier ein Elektrofahrzeug hinzustellen und glauben, dass das funktioniert. Man muss das Gesamtkonstrukt in das Mobilitätsumfeld integrieren und diese gesamte Bandbreite, die das ermöglicht, diese Integration der Elektromobilität, vom Fahrzeug bis hin zu den Mobilitätskonzept, das bildet den Studiengang Green Mobility ab.

Lisa Baumgartner
Ich kann mir vorstellen, da gibt es viele Punkte, die noch nicht entwickelt sind, die auch erst erforscht werden müssen. Und damit sind wir eigentlich auch schon beim Thema Forschung angelangt. Wie soll in dem Bündnis hier Forschung einen Platz finden?

Elisabeth Steiner
Also an und für sich ist Forschung für unser ganzer wesentlicher Punkt, wo wir sagen, hier können wir Kooperationen schließen. Weil es natürlich auch sehr stark darum geht, diese Säulen und diese soziale, wirtschaftliche und ökologische Komponente bietet sich natürlich in Forschungsprojekten grandios an, um interdisziplinär oder transdisziplinär auch Forschungsprojekte abzuwickeln. Und das erhoffen wir uns natürlich auch, jetzt nicht nur um der Forschung willen, sondern auch die unterschiedlichen Disziplinen mit ihrem Wissen zum Thema zu bündeln. Also, das kann natürlich durch diese Synergien, die ich gerade vorher angesprochen habe, durchaus ein hoher Benefit für Forschungsbereich werden.

Lisa Baumgartner
Ich kann mir vorstellen, Forschen passiert oftmals so, dass jemand eine Idee hat und dann sehr in seiner Blase forscht und gar nicht über den Tellerrand hinaus schaut. Vielleicht hat jemand eine ähnliche Idee an einem anderen Ort. Geht es da vielleicht auch darum, hier ein bisschen effizienter zu sein?

Elisabeth Steiner
Schon auch effizienter, ja, die Nutzung von Ressourcen, die man hat und die Ressourcen, das ist sicher ein Thema, das man im Bündnis gut umsetzen kann.

Lisa Baumgartner
Gibt es auch schon konkrete Forschungsbeispiele? Ich glaube gerade im Sozialbereich haben wir ein internationales Projekt laufen, das genau in die Nachhaltigkeit einzahlt.

Elisabeth Steiner
Es gibt in unserem Bereich ein Projekt, das heißt Eco(hoch)3, das sich mit Green Controlling auseinandersetzt und mit Partnerhochschulen aus verschiedenen europäischen Ländern umgesetzt wird.

Sprecherstimme DROP: Heute zu Gast bei Lisa Baumgartner...

Elisabeth Steiner

Elisabeth Steiner…

Andreas Petz
…und Andreas Petz. Wir haben das Bündnis Nachhaltige Hochschulen ins Leben gerufen…

Elisabeth Steiner
… und wollen damit aktiv beitragen, dass die UN-Klimaziele erreicht werden.

Lisa Baumgartner

Das Bündnis Nachhaltige Hochschulen und seine Aktivitäten, wir haben schon gehört, bei Lehre und Forschung soll eng zusammengearbeitet und ausgetauscht werden. Als weiteren Aktivitätsbereich haben Sie sich auch das Hochschulmanagement in den Fokus genommen. Welche Aktivitäten werden da gesetzt?

Elisabeth Steiner
In diesen Bereich fallen zum Großteil auch Zertifizierungen. Es gibt Fachhochschulen, mit denen wir im Austausch sind, die schon sehr viel Erfahrung haben mit EMAS Zertifikaten. Oder manche Fachhochschulen haben Gemeinwohl-Bilanzierung gemacht. Und da gibt es natürlich jetzt auch die Möglichkeit, dass wir voneinander lernen können. Der Kollege Petz und ich haben für die FH Campus Wien auch die Treibhausgas-Bilanzierung gemacht. Wir haben uns wirklich im Detail mit vielen Komponenten hier im Hause auseinandergesetzt, von Dienstreisen zum Beispiel. Wie wird bei uns eine Dienstreise angetreten, mit dem Auto, mit dem Flug? Wie? Wie weit fliegen die Menschen, was kann man da optimieren? Wir haben uns die Mensa angeschaut. Hinsichtlich, welches Fleisch kaufen wir? Was für ein Abdruck hinterlässt Rindfleisch im Vergleich, also CO2-Abdruck, im Vergleich zu Hühnerfleisch? Also wirklich, das klingt jetzt sehr simpel, ist es aber, wenn man das für seine große Einrichtung macht, gar nicht zu wenig, was man da auch bewusst sich anschauen kann und Potenziale finden kann für eine Reduktion des CO2 Abdruck ist und das war ja die Idee dahinter. Wir haben uns in der Studie auch einen ganz wesentlichen Faktor, nämlich der Mobilität unserer Mitarbeiter und unserer Studierenden gewidmet, wo natürlich ein großer Hebel im Individualverkehr ist. Also, wenn wir über CO2-Reduktion sprechen, kommt man natürlich auf Mobilität, darf aber nicht den Irrglauben haben, dass es nur das ist. Aber natürlich ist der große Hebel. Und das wäre jetzt so ein gutes Beispiel für eine Möglichkeit des Austausches, des Voneinander Lernens und des Voneinander-nutzbar-machens von Erfahrungen. Das Tool, das wir entwickelt haben, können wir zum Beispiel auch an anderen Fachhochschulen zur Verfügung stellen, damit sie es adaptieren können. Und somit wäre genau die Zusammenarbeit auf der Ebene durchaus gut abgedeckt.

Lisa Baumgartner
Also, es gibt viel Einsparungspotenzial, was jetzt unseren CO2 Abdruck betrifft.

Elisabeth Steiner
Ja.

Lisa Baumgartner
Wir haben auch vorhin erwähnt: Kooperationen sind auch ein wesentlicher Punkt, den sich das nachhaltige Bündnis der Fachhochschulen vorgenommen hat. Wir haben dabei auch die internationalen Kontakte erwähnt und hervorgehoben. Gibt es denn etwas, was die anderen von uns international lernen können, wo Österreich vielleicht ein bisschen eine Vorreiterrolle hat?

Andreas Petz
Also, ich glaube, dass in jedem Land gewisse Bereiche immer ein bisschen vor den anderen sind. Und das ist auch das Spannende, dass man sich in so einem Bündnis immer die hereinholen können, die in den Themen am weitesten vorne sind und die Inhalte und Ergebnisse für alle zugänglich machen. Da geht es auch nicht um den Wettbewerb, dass wir sagen, wir sind in dem Thema ganz weit vorn und die anderen nicht, sondern das kann nur gemeinsam gehen. Und wir profitieren von den Leuten, die sich in einem gewissen Thema schon weiterentwickelt haben, mehr Wissen angeeignet haben, mehr Kompetenz aufgebaut haben und diese dann dem Bündnis bzw. den Bündnispartner*innen zur Verfügung stellen, und die anderen integrieren. Ich sage immer, bei der Nachhaltigkeit, da hört der Konkurrenzkampf auf oder er muss aufhören. Es geht nur gemeinsam. Wir sind natürlich im Bildungsbereich alle, ich sage jetzt einmal, im Mitbewerb unterwegs. Nur im Bereich der Nachhaltigkeit müssen wir das wirklich ausblenden, dass eine andere Hochschule hier der Mitbewerb ist, wo wir um die Bewerber, um die Studierenden gemeinsam sozusagen uns selber anstellen, uns bewerben. Das müssen wir ausblenden. Nachhaltigkeit schaut nicht auf Konkurrenz, Nachhaltigkeit schaut auf das gemeinsame Ziel. Und das müssen wir einfach verfolgen. Ansonsten wird Nachhaltigkeit in dem Sinne so nicht gelebt werden können. Und das betrifft ja uns alle. Und nicht immer nur eine Hochschule.

Lisa Baumgartner
Es gibt nur einen Planeten.

Andreas Petz
So ist es. Und um den müssen wir uns gut kümmern.

Lisa Baumgartner
Wir haben schon mehrfach erwähnt, die Studierenden sind ja die Entscheidungsträger*innen von morgen und die sollen anders denken. Meine Frage: Tun Sie das nicht schon? Es gibt ja bei uns sicherlich auch Studierende, die sich aktiv an der Fridays For Future- oder an anderen ähnlichen Bewegungen beteiligen.

Elisabeth Steiner
Also wir hoffen das und wir glauben das auch. Natürlich sieht man, dass junge Leute auch vermehrt in Studienrichtungen drängen, die sich genau mit dem Thema Nachhaltigkeit auch beschäftigen. Das wird schon für die Jugend auch sehr spannend und ich denke mir, dass das etwas ist, was denen auch schon ausbildungstechnisch viel mehr mitgegeben wird und wir dann auch profitieren davon. Ich denke, dass sich da auch eine Kehrtwende tut, auch medial natürlich. Wobei man da aufpassen muss, weil viele Informationen, gerade in diesem Bereich, nicht so eindeutig sind, oder die Jugend auch lernen muss, aber auch in anderen Bereichen, diese Fake News von wirklich Information auch zu unterscheiden. Und ich denke, da sehen wir uns wieder in der Pflicht, auch Informationen zu geben und ja auch zur Verfügung zu stellen, sich da weiterzuentwickeln.

Lisa Baumgartner
Also, es geht vor allem um Kompetenzen, die nachhaltiges Denken und Handeln dann auch fördern.

Elisabeth Steiner
Genau.

Lisa Baumgartner
Was sagen Sie denn der Jugend, also den Menschen, die jetzt zum Beispiel auch von der letzten Klimakonferenz enttäuscht sind und die fordern: Was zählt, das sind jetzt nicht die Versprechungen, die gebrochen werden, sondern Taten, die wir gemeinsam setzen.

Elisabeth Steiner
Ja, an den Taten dranbleiben. Was anderes kann man nicht sagen. Taten selbst setzen und aktiv werden in dem Bereich. Man kann natürlich sich immer wieder darauf ausreden, dass die politischen Akteure nicht weiter tun. Ich weiß schon, dass die an einem größeren Hebel sitzen, aber dennoch ist es, und das klingt jetzt so banal, aber der Einzelne ist der, der aktiv gestaltet und der aktiv auch in seinem Bereich viel tun kann. Und wenn er das tut, dann wird das auch eine Massenwirkung bekommen und auch politisches Gewicht bekommen. Wir diskutieren noch über viele Dinge, die für mich zum Beispiel selbstverständlich sind. Stichwort: aktive Mobilität. Das war vor zehn Jahren auch noch nicht so. Wir haben gesehen, dass das bei uns an der FH Campus Wien in gewissen Departments gut läuft, Dass viele schon sehr, dass da viele schon mit dem Rad kommen und dass man das auch fördern kann. Also insofern: Taten setzen und dranbleiben und nicht frustrieren lassen, vielleicht auch.

Lisa Baumgartner
Zur Mobilität, muss man auch sagen: Wir haben es natürlich gut, wir sind direkt an der U-Bahn-Station und in Wien, urban, ist das sicherlich anders.

Elisabeth Steiner
Selbstverständlich, ist eine Diskussion auch gerade letzte Woche im Bündnis gewesen, wenn ich natürlich - ich nenne jetzt die FH Eisenstadt - mitten auf der Grünfläche stehe, tue ich mir schwer, wenn ich nicht mit dem Auto komme. Dessen bin ich mir bewusst. Aber trotzdem kann dann jeder in einem anderen Bereich wieder etwas beitragen, wenn ich das möchte.

Lisa Baumgartner
Und trotzdem macht jedes Teilchen dann eine große Somme aus.

Elisabeth Steiner
Genau, so ist es.

Lisa Baumgartner
Geht also darum, dass man rechtzeitig gemeinsam diesen Notknopf drückt. Wir sollen alles daransetzen, die SDGs zu erreichen. 17sind es. Welche sind dann vielleicht schneller erreichbar und welche sind echt harte Nüsse?

Andreas Petz
Die SDGs sind auf einer, vielleicht augenscheinlich, etwas höheren Flugebene formuliert. Man muss diese SDGs für sich in seiner Umgebung herunterbrechen und dann kommt man drauf, dass all diese SDGs auch in seinen eigenen Wirkungsbereich adressierbar sind. An der FH Campus Wien zum Beispiel, was relativ einfach hier ist, sind zum Beispiel SDG 4 "Hochwertige Bildung". Das ist natürlich ein Thema, das da ganz klar hier unser Auftrag ist. Auch SDG 5 "Geschlechtergleichstellung" im Bildungsbereich hier weiter zu kommunizieren, ist natürlich uns wahrscheinlich etwas näher als zu sagen: kein Hunger in dieser Welt. Obwohl man natürlich auch hier schauen muss, dass es gewisse soziale Schichten gibt, wo das natürlich auch hier in Österreich Thema ist.

Lisa Baumgartner
Also, Kinderarmut beispielsweise...

Andreas Petz
Ganz genau. SDG 17 ist natürlich etwas, was wir ganz klar mit unserem Bündnis Nachhaltige Hochschulen adressiert haben. SDG 17 sagt "Partnerschaften zur Erreichung der Ziele". Auf dieses SDG sind wir quasi mit unserem Bündnis Nachhaltige Hochschule direkt losgegangen. "Weniger Ungleichheiten" ist natürlich auch etwas, was wir hier an der FH Campus Wien ebenfalls durch unser Tun relativ gut umsetzen können. Es gibt natürlich SDGs, wenn wir sagen: Leben unter Wasser, zum Beispiel, wenn wir die Meere betrachten, das ist wieder etwas weiter von uns weg. Wenn wir es aber wieder herunterbrechen auf uns, wir haben Flüsse, wir haben Tümpel, wir haben Seen, da haben wir schon Zugriff, wie diese Seen, diese Gewässer, in welcher Qualität die vorhanden sind. Und schlussendlich, was wir hier mit unseren Flüssen machen, endet schlussendlich irgendwann auch einmal in diesen Meeren. Das heißt, das ist schon alles miteinander verkoppelt. Man muss es nur sozusagen sehen.

Lisa Baumgartner
Abschließend zum Bündnis Nachhaltige Hochschulen: Im Oktober ist es jetzt offiziell gegründet worden als Verein. Was sind denn so die ersten Aktivitäten? Wo schauen Sie hin, wenn Sie in Richtung erste Ergebnisse gehen?

Elisabeth Steiner
Wir sind jetzt natürlich dabei auch, in diesen Wirkungsbereichen, die ich angesprochen habe, in der Lehre, in der Forschung, Hochschulmanagement, Arbeitsgruppen zu installieren. Das wird der erste Schritt sein, dass wir uns da auch einmal strukturieren und die einzelnen Fachhochschulen ihr Hauptinteresse, sage ich jetzt einmal, für einen ersten Schritt, jetzt kundtun. Wir haben in der ersten Runde jetzt von jeder Hochschule zwei Ansprechpersonen, die wir natürlich jetzt einmal zusammenbringen werden. Und wir auch darstellen werden, wo steht jede FH, was tut sie, was kann sie quasi auch ins Bündnis einbringen? Damit haben auch schon begonnen. Aber das wir haben jetzt in strukturierter Form machen. Ich denke, da wird dann vieles auch entstehen, was wir gemeinsam tun können, an konkreten Dingen. Weil jetzt haben wir schon, zumindest einmal die kleine Gruppe, wir haben eingereicht für einen Award schon, dem Sustainability Award 2022. Wir haben auch schon, ohne Gründung des Vereins, in einer Vorstufe, wie wir zusammengeschlossen waren schon drei Fachhochschulen, auch schon solche Einrichtungen gemacht und auch schon einen Gewinn. Auch das muss man sagen. Also, solche Dinge werden wir natürlich mehr forcieren. Und Forschungsforum, ganz wesentlich, im April 2022. Da werden auch wir mit unserem Bündnis in Erscheinung treten, mit unterschiedlichen Forschungsprojekten. Und was ich auch noch hoffe, weil, das war schon eine große Anregung: Dass wir uns relativ rasch zur Lehre committen, weil da gibt es großes Interesse, dass sich einzelne Fachhochschulen zu Lehrveranstaltungen gemeinsam zusammenschließen. Da haben wir schon Vorerfahrung und das geht natürlich jetzt gerade, das ist der Vorteil des Online-Unterrichts, relativ gut, weil die Studierenden in der Mobilität zwischen, ich weiß nicht, Kärnten und Wien hin und her pendeln müssen. Also schon viele Pläne.

Lisa Baumgartner
Wir sind gespannt auf die Umsetzung. Wir haben vorhin ein paar Forschungsprojekte bei uns an der FH Campus Wien erwähnt. Ich darf in eigener Sache darauf hinweisen, neunmalklug hat das eine oder andere Interview zu diesem Bereich schon geführt. Vielleicht wollen Sie ja mal nachhören. Ich wünsche uns allen alles Gute für die Zukunft und ich freue mich auf ein Wiederhören und Wiedersehen.

Elisabeth Steiner: Danke!

Andreas Petz: Danke!